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Review: Modern Earl

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Review: Modern Earl – Live im Der Bock, Mannheim (17.06.10)

Reklamiert die Stadt! – In einer Arbeiterstadt wie Mannheim mit ihren dampfenden VoKüs können wir nicht zulassen, dass die House-Mafia weiterhin unsere musikalischen Kanäle vergiftet. Sei es eine (Rück)Besinnung zu ehrlicher Countrymusik wie im heutigen Fall, oder einfach auf den einzelnen Menschen mit der Gitarre oder der heimgebastelten Noisefabrik: handgemachte Musik hat Macht.

Zu Beginn des Konzertes ist es drinnen dunkler und heisser als draussen, der Bock ist gut gefüllt trotz früher Uhrzeit und weltweitem Fussball-Wahn. Modern Earl beehren die Stadt Mannheim nun schon zum sechsten Mal, und was soll ich sagen, sie werden nicht langweilig.

Die Band (3/4 Amerikanisch, 1/4 Deutsch, For Your Information) spielt keinen traditionellen Country, und schon gar nicht die Art Country, wie sie aus deutschen Landen kommt. Sie spielen Neuinterpretationen von eigenen Songs, sowie liebevoll eingestreute Cover-Versionen. Diese reichen von “You Shook Me All Night Long”, über ein Spiritual (“Swing Low Sweet Chariot”), bis hin zu einem Merle Haggard-Stück mit dem Titel “Okie From Muskogee”. Die Carter Family oder Willie Nelson werden auch gern auf Konzerten zitiert…

“Wer den Text kennt, soll mitsingen, wer ihn nicht kennt, soll die Klappe halten! Nee, war nur ein Scherz…” hört man es von der Bühne tönen. Trotzdem wünscht man sich, dass sich das Publikum daran hält. Doch spätestens beim Cover-Höhepunkt des Abends gibt es kein Halten mehr: eine eigenwillig schnelle und rotzige Interpretation von “Sweet Home Alabama” trifft auf “There’s No Country In New York”: “Walk On The Wild Side”. Die Rednecks schütteln den von Lou Reed besungenen Transvestiten die Hände, und das Publikum trällert begeistert “Doo do doo do doo do do doo . . .”.

Doch diese Tribute an fremdverfasste Musik machen nur einen kleinen Teil des Konzertes aus: Modern Earl erfinden sich selbst neu, es wird getanzt, aber auch zugehört. Ganz egal ob die Lieder von Alkoholismus, Grillfesten oder Geschlechtskrankheiten (die hier ganz hinreissend auf Spanisch und Englisch besungen werden) handeln, die Band schafft einen enorm abwechslungsreichen Sound. Da sie gefühlte 366 Tage im Jahr auf Tour sind, dürfte es nicht allzu schwer sein die Herren auch in anderen Städten live zu erleben.

(Bild: Ben Hunt: Bass, Vocals, Christopher Hudson: Vocals, Gitarre, Markus Christ: Drums. Not pictured: Ethan Schaffner, der sich zu schnell bewegt hat zwischen Gitarre, Banjo, Mikrophon und Lapsteel)

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1 Kommentar

  1. PS
    für den “Okie From Muskogee” gibts keine garantie. wer sich an den titel erinnert, kanns hier notieren. obwohl das eher unwahrscheinlich ist.

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