The Kids Aren’t Alright!

The Kids Aren’t Alright
Neue Kolumne! Beta teilt ihre Altersweisheit mit euch. In unregelmässigen Abständen unterstütz sie uns mit ihren Ansichten über das Leben, über Gott und über die Welt. Vorallem aber über Musik und äh, Menschen?
10 Goldene Regeln des Konzertbesuches
Bist du ein Teenager, gelten diese Regeln für dich nur teilweise. Du kannst ruhig schon um 14 Uhr vor der Konzerthalle stehen, in der ersten Reihe völlig dehydriert kiffen, ständig nach dem grössten Hit der Band schreien und der Band mit deiner Popelknipse ins Gesicht blitzen. Vielleicht meckerst du auch über alle, die sich nicht so aufführen wie du. Du weisst es einfach nicht besser.
Das Ticket
Besitzt du ein physisch vorhandenes Ticket, bewahre es an einem leicht zu merkenden Ort auf. Sonst fährst du mit deinen Freunden und einem mulmigen Gefühl nach Köln, um auf dem Schwarzmarkt einen überteuerten Ersatz zu erwerben. Oder du musst aufs Pink-Konzert gehen, das gegenüber stattfindet. Dein ursprünglich zum VVK-Preis erstandenes Ticket findest du Wochen später hinter der Heizung.
Die Entfernung
Konzerte, für die man einen weiten Weg auf sich genommen hat, sind oft besser als die um die Ecke. Die Band, die man in London gesehen hat, für die man zehn Stunden mit dem Wochenendticket nach Hamburg gefahren ist (siehe Teenager), kommt nach zehn Jahren dann auch mal in deine Heimatstadt.Vielleicht gehst du nicht hin, weil du die Halle unangemessen findest. Du wirst eventuell andere müde belächeln, die ihr erstes Konzert dieser Band total berauscht. Das kennst du. Aber du weisst auch, dass nicht jedes Konzert lebensverändernd sein kann.
Angemessene Kleidung
Das Band-T-Shirt. Ziehe niemals ein T-Shirt der Band an, auf deren Konzert du gehst! Ausnahme: ein offensichtlich altes, zerfleddertes Shirt in Zeltgrösse von der 1971 / 1991er-Tour (auf der du selbstverständlich warst bevor alle anderen die Band kannten, und das Kleidungsstück persönlich erworben hast). Nein, Ramones-T-Shirts von H&M gehören nicht dazu, siehe Teenager.
Jeder findet seinen Platz…
Wer hinten steht, darf labern! Ausser bei Jazz-Konzerten, hier kann es vorkommen, dass man trotz letzter Reihe vom Veranstalter persönlich Prügel angedroht bekommt (die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn man an der Bar während dem Konzert Tequila trinkt). Im Moshpit, das sich meist direkt vor der Bühne befindet, wird nicht gelabert. Bist du eher zierlich gebaut, hast keine Lust auf Rumgeschubse oder leidest an der Glasknochenkrankheit – dann ist die vordere Mitte nicht dein Fachbereich. Die tatsächliche erste Reihe ist oft Trainspottern vorbehalten, die sich, ans Absperrgitter geklammert, die Gitarrengriffe und Einstellungen der Effektpedale abschauen wollen, oder auch Spaghettiträgerhemdchen-Mädchen (und den obligatorischen Pädophilen), siehe Teenager. (Hier noch ein Tipp für euch: Der Bassist steht meistens rechts. Falls ihr jemand besonders anbeten möchtet und euch vor Konzertbeginn eine Bühnenseite aussuchen müsst, und nicht in Instrumenten-/Verstärkerkunde fit seid.) Möchtest du die Band deiner Wahl trotz übler Erkältung oder Übermüdung live sehen, darfst du auch (innerlich leidend) an der Wand lehnen.
Zum Standort – Möchtest du dich nicht konkret festlegen, dann nutze dies! Wenn es das Konzert zulässt, gönn dir ab und zu einen Standortwechsel und lasse Band, Sound und Menschen auf dich wirken. Lass Menschen die dir die Sicht rauben, nicht auf dich wirken. Früher war die Zentralperspektive dem König vorbehalten! Kraule durch deine Mitmenschen und gönn dir diesen Platz. Eventuell musst du dich entscheiden ob du lieber ein bischen Freiraum um dich herum hast, mit der Gefahr, dass sich vor dir die unvermeidbare Quetschgasse bildet, oder du quetscht dich selbst an jemanden dran. Siehe Körperpflege.
Körperpflege (Schachtelsatz?)
Nach einem langen Tag voll harter Arbeit darf man ruhig mal stinken. Wenn du allerdings dein Polyesterhemd 7 Tage die Woche trägst, sich auf deiner Kutte weisse Flocken sammeln, und du dich dann wunderst warum du keine gleichgesinnten Headbanger auf Konzerten kennenlernst, liegt es vielleicht daran, dass man sich, sobald du durch die Menge schreitest, fragt, ob grad jemand eine frische Zwiebel aufgeschnitten hat. Gehörst du der “Kaukasischen Rasse” an und trägst Dreadlocks – siehe Teenager-Sub-Rubrik “Du weisst es einfach nicht besser”.
Aber:
Dreckig sein kann Spass machen!
Konzerte, nach denen man von Eigenschweiss und Fremdgetränken durchnässt ist, können entweder Ärger hervorrufen oder das Gefühl einer kollektiven Wiedergeburt. Befindet sich ein Drittel des Publikums im ständigen Strom des Crowdsurfens und du wirst ungewollt von betrunkenen Freunden hochgehoben, geniess es einfach. Versuch dein Bier in der Hand zu halten, oder teile es mit den Menschen, die ihres auf dir verschüttet haben.
Langeweile
Bist du alleine auf ein Konzert gegangen, weil deine sogenannten Freunde alle keinen Geschmack haben? Umbaupausen kann man sinnvoll verbringen, wenn Biertrinken nicht reicht! Lern Vokabeln (siehe Teenager) oder unterhalte dich in der Umbaupause mit dem T-Shirt-Roadie. Er wird dankbar sein für ein bischen Abwechslung. Ausser er ist ein selbstverliebter Snob, der in seinem Laptop lebt.
Fotografieren
Bist du ein mehr oder weniger professioneller Fotograf, weisst du dass man sich dünne macht, nicht ständig aufs Display glotzt und somit möglichst wenig Leute beim Konzertgenuss stört. Wahrscheinlich bist du aber einer der Idioten, der mit seiner miesen Mobiltelefonknipse miese “Fotos” macht, seinem Hintermann ständig die Sicht versperrt, weil der Arm ja in der Luft sein muss, und seine Nebenmänner mit ununterbrochenem Displayleuchten nervt, weil du dich wunderst, warum die Bilder so scheisse aussehen, und 20 mal das selbe knipst. Ich hasse dich.
Unangebrachte Accessoires
Riesenhüte, Feuerwerk, Fussballhupen, B52s-Frisuren, Haustiere, Ananas, alles kein Problem, aber eine Sonnenbrille auf dem Kopf tragen – no go, niemals im Leben, hier ist dein Alter keine Entschuldigung.
Der Durst
Wähle dein Getränk weise. Bist du auf dem Weg ins Moshpit, oder ist ein Drittel des Publikums ständig über deinem Kopf am crowdsurfen, wird die Weinschorle nicht lange im Glas bleiben. Hast du eine kleine Blase und möchtest jedes einzelne Lied hören, trink kein Bier. Plastikbecher sind kontraproduktiv was den Applaus angeht. Man kann sie im vollen Zustand nicht unter den Arm oder zwischen die Knie klemmen, um die Hände frei zu haben. Würde mir bitte jemand ein Forschungsprojekt finanzieren, bei dem das Verhältnis zwischen Klatschlautstärke und Plastikbechern -vs- Flaschenausschank untersucht wird?
Jedem das Seine
Bist du eher der Typ “Derwisch”, dann lass nicht den Tanzfaschisten raushängen! Wenn man älter wird versteht man, dass jeder das Konzert auf seine Weise geniesst. Sei es durch wildes Herumpogen mit homoerotischen Balgereien, an die sich hinterher wieder keiner erinnern kann, durch armeverschränkendes Herumstehen oder unkoordiniertes Gewippe. Koboldhaftes Umherschleichen und das Mitpublikum mit bösen Blicken strafen, weil es nicht tanzt – nicht cool. Siehe Moshpit.
Ohrenstöpsel
Von manchen als uncool abgestempelt. Wenn einem Musik allerdings lebenswichtig ist, und man sie auch in Zukunft noch geniessen möchte, sind bei elektronisch verstärkten musikalischen Darbietungen Ohrenstöpsel durchaus angebracht! Die schottische Band Mogwai holte sich einst Sondergenehmigungen bezüglich Lautstärkepegel (da sie Manowar als “lauteste Band der Welt” ablösen wollten), und ich erinnere mich an die leider oft vorhandene Kombination im Publikum aus Tussi – ohne – eigenen – Musikgeschmack – ist – ihrem – Typ – zuliebe -mitgekommen – aber – natürlich – gleich – erste – Reihe – neben – den -Boxen, die Band ist ihr völlig unbekannt, und ich denke mir nur “na denn, viel Spass!” Ob nun mundgeblasen und individuell an den Gehörgang angepasst, in preiswerter Lamellenform, vielleicht auch die Baustellenklötze der Firma mit dem Logo dass mich immer an das des Wu-Tang-Clans erinnert, oder auch das gute alte Taschentuchgefussel – die Möglichkeiten sind vielfältig. Bei Kindern immer angebracht: Der Kapselgehörschutz. Für eine derart wunderbar holzende und wummernde Liveband wie “Health” empfiehlt sich allerdings auch ein gut gepolstertes Innenleben – “Reinigung durch Soundekstase” nannte es Benjamin Walter. Hohe Organfluktuation könnte man auch sagen.
Stagediving und Crowdsurfing
Sollte wenn möglich rücksichtsvoll von statten gehen. Also nicht wild um sich treten wenn man vom restlichen Publikum rumgereicht wird. Ist man eher kleingewachsen und sieht einen Crowdsurfer auf sich zukommen, immer schön die Hände über den Kopf halten und versuchen, die Füsse des Surfers zu sichern, bzw. vom eigenen Kopf wegzulenken. Bist du ein grosser starker Mann, dann beteilige dich am Transport des Surfkörpers. (Hast du bereits dein Hemd ausgezogen und bist komplett nassgeschwitzt, sind deine Chancen gering, beim Sprung von der Bühne aufgefangen zu werden. Du bist nicht sexy. Du bist nicht cool. Aber du hast Spass. Lass den anderen auch welchen.)
Mitsingen und -klatschen
Manche Bands hassen Mitklatschen. Zu Recht! Es kommt immer schnell Bierzeltatmosphäre auf, und obendrein besitzen anscheinend sehr wenige Menschen Rhythmusgefühl. Langweilst du dich und hast Rhythmusgefühl, versuche absichtlich NICHT im Takt zu klatschen. Oder stell dir vor du wärst ein Seehund. Klatsche begeistert und mit leerem Blick in die Flossen, und beisse dann in eine imaginäre Hupe! Siehe Langeweile.
Ob er mitsingt oder nicht, kann jeder Konzertbesucher für sich entscheiden (bitte geradeaus kreischen und nicht ins Ohr deines Nachbarn), nur bei der Akustiknummer solltest du deinen Stimmbändern lieber eine Pause gönnen.
Die Zugabe
Früher hatte ich die Illusion, dass alles möglich ist, wenn es um die Zugabe geht (siehe Teenager). Heute weiss ich, dass die meisten Bands schon vorher eine sogenannte “Setlist” haben, inklusive geplanter Zugaben. Manchmal werden die Titel auch spontan gewählt, doch einige Bands geben aus Prinzip keine Zugaben, und alles hoffnungsfrohe Geklatsche, Gestampfe und Gejohle bleibt ungehört.
Relativ sichere Zeichen dafür, dass es keine Zugabe geben wird:
- Die Band hat sich mit dem letzten Song komplett verausgabt (Gespür dafür bekommt man teilweise im Alter)
- Die Band hat ihre Saiteninstrumente entgrätet bzw. verstimmt und das Schlagzeug zertrümmert.
- Der Gitarrenroadie kommt nicht um die Instrumente zu stimmen, sondern zum Verstärkerausschalten.
- Das Saallicht geht an und unpassende Rausschmeisser-Musik erschallt.
- Bist du in Frankfurt im Cooky’s, stürmen Taxifahrer und Prostituierte in den Laden.
Alle Angaben ohne Gewähr. Habt Spass, seid rücksichtsvoll, und, äh, Party on, Wayne!
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You Made my day!
den Bassisten “anhimmeln”..du meist wohl da nicht jemand “Bestimmten” oder?
und noch eins Fussballhupen sowie Trillerpfeifen SIND ein Problem..mich überkommt dann immer so ein leichtes Gefühl sie demjenigen “sanft ” in den Hals zudrücken grrr
Cheers
@luk
nein, das war allgemein. meiner beobachtung nach steht eben meist der bassist rechts (dass der typ der links steht dann eventuell der gitarrist sein könnte, kann der geneigte leser sich vielleicht denken). falls das jemand erklären kann (technik? hörgewohnheiten?) bitte her damit!
b
also ich meine der bassist steht doch meistens links (als rechtshänder) – da (einfacher) blickkontakt zum drummer: oder ist das nur bei unprofessionellen, bzw uneingespielten bands so. marke: so, und diesen song hören wir endlich mal alle zusammen auf…
@mischa: ich meine rechts gesehen vom zuschauer aus. du auch?
frage: ist bei der stereoanlage die rechte box für den bass verantwortlich? und ich meine jetzt nicht irgendwelches dolby-heimkino-palast-rumgealber, sondern die gute alte standard-anlage.