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Kultur Bitte!

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Kultur, Bitte!

Heute: Unterwegs

Zurzeit gibt es hierzulande wohl den Trend, jeden deutschsprachigen Musiker mit einigermaßen intelligenten Texten zum Literaten hochzustilisieren. Die Folgen sind zahlreiche Bücher, Essays, Kolumnen (ähm!) und Artikel in der Musik- und Tagespresse, die von brilliant bis „Schnauze-da-vorne” jeden Qualitätstandard abdecken.In vielen Fällen geht das gut und offenbart interessante, durchdachte und stilistisch makelllose Werke – man denke dabei z.B. an Rocko Schamoni oder Sven Regener – aber so manches Mal erlaubt sich die Intelligenzia der deutschen Musik ihre Faux-pas. Jüngstes Beispiel dafür: Peter Hein! Okay, der Musiker Peter Hein trägt seinen Ruf als überaus kritischer, wortgewandter und direkter Texter zu Recht. Mit seinen Bands Fehlfarben, Mittagspause und den Family 5 hat er nichts minder getan als deutsche Musikgeschichte geschrieben. In seinen Lyrics ist Hein immer ein Stück agressiver als Tom Liwa, immer ein Stück smarter als das Gros des Deutschpunks und immer ein Stück schlauer als fast alle.

Das dies nicht unbedingt auch im Buchformat funktioniert, beweist sein jüngstes Machwerk „Geht so”, ein Erlebnisbericht über seine Zeiten auf Tour. Wer nun einen spannenden Einblick in Alltag on the road und in die persönlichen und sozialen Strukturen der Musiker erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr erzählt Herr Hein in umständlicher und allzu blumiger Sprache von den netten Nebenschauplätzen auf Tour. Und diese sind mitunter alles andere als spannend. Schon im ersten Kapitel fühlt man sich eher in einem Heimatkundebuch als in der Gedankenwelt eines Musikers auf Tour. Der Autor beschreibt eine Zugfahrt und seinen Blick aus dem Fenster auf die schöne Landschaft, ein paar Gedanken dazu und schon ist die Fahrt vorbei. Weiter geht es vor allem mit diversen Fußmärschen von Museum zur Kirche und zurück ins „Gasthaus”, in dem die örtlichen Speisen und Biere auf ihre Tauglichkeit getestet werden. Immer wieder schmückt Hein seine müßigen Erkundungstouren mit seinen Gedanken aus, die a.) aber derart kompliziert und anstrengend ausgedrückt sind und b.) nicht gerade Lust machen, es im gleichzutun und mal wieder zu verreisen. Am Ende frage ich mich, was uns der gute Mann mit diesem Buch sagen möchte?

Kaum ein literarisches Thema ist so faszinierend und jugendlich wie das “unterwegs sein”. Von Hesses „Steppenwolf” bis Jon Krakauers „Into the wild” erscheinen in regelmäßigen Abständen Referenzwerke, die auf wundervolle Weise die Fantasie des Lesers beflügeln, in punktgenauen Worten Gefühle wie Freiheit,Einsamkeit und tiefste Genugtuung zum Ausdruck bringen und dabei den Leser bis ins Letzte zu packen verstehen. Peter Heins Buch beschreibt seine persönliche Sicht der Dinge und seine tiefgründige Gedankenwelt dahinter. Was aber letzten Endes fehlt, ist der Unterhaltungswert und das wunderbare Gefühl, sich beim Lesen ein Stück selbst zu entdecken. Schade, eigentlich.

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